Buch: Giovanna Imperia, Kumihimo Wire Jewelry

Das neueste spannende Buch zum Thema Kumihimo und Schmuck.


In diesem edlen und ausgezeichnet fotografierten Buch zeigt Giovanna Imperia, wie 20 verschiedene Schmuckstücke mit Draht und anderen Materialien auf der Scheibe oder dem Marudai gearbeitet werden.Es gibt eine Einführung in die Geschichte und die verschiedenen Formen von Kumihimo, Informationen über Material und Geräte, sowie eine Einführung in das Flechten. Für Anfänger würde ich das Arbeiten mit Draht dennoch nicht empfehlen. Es ist sinnvoller, sich die Grundkenntnisse zunächst an weniger widerspenstigem Material anzueignen.
Imperia zeigt mehrere grundlegende Muster auf der runden Scheibe (bzw. dem Marudai) und weitere bei den entsprechenden Schmuckstücken. Sie erklärt mit guten Fotos, wie Garn oder Draht abgemessen und vorbereitet werden und wie man die Enden der Geflechte behandelt und sogar, wie man eigene Endkappen herstellt.


Von den 20 Arbeiten sind 14 auf der runden Scheibe/dem Marudai gearbeitet, 6 auf der quadratischen Scheibe.
Die verwendeten Drähte (Kupferkern lackiert oder Edelstahl) liegen hauptsächlich im Bereich zwischen 0,2 und 0,35 mm. Für bestimmte Effekte nimmt sie auch Kunststoffummantelte Drähte. Dazu verarbeitet sie Seide, Perlgarn, Perlonfaden, Baumwoll, Leinen - und natürlich Perlen.
Zu jedem Projekt gibt es genaue Angaben über die Art des verwendeten Drahtes, die Anzahl der Fäden in den Strängen sowie die Länge; dazu gibt sie an. welche Geräte und Endkappen man benötigt. Viel einfacher kann man es seinen Lesern kaum machen.

Englischkenntnisse sind für den Gebrauch gut, aber wenn man Erfahrung hat mit Kumihimo und sich vor der fremden Sprache nicht fürchtet, kann man sicher auch ohne Sprachkenntnisse damit arbeiten.

runde Scheibe

Marudai und Takadai sind aufwändig gearbeitete und entsprechend teure Geräte. Auch die Vorbereitung braucht einige Zeit. Wenn man schnell ans Flechten kommen will, helfen die flexiblen Kunststoffscheiben, Kumihimo disk und plate. Die Scheiben sind in dieser Form eine Entwicklung der Kumihimo Meisterin Makiko Tada.
Hier ist zunächst die runde Scheibe:


Sie hat rundum 32 nummerierte Kerben mit Schlitzen, in die die Fäden eingespannt werden. Statt mit Tama und Gegengewichten klemmt man die Fäden ein und erhält so die nötige Spannung. Da die Fäden über die Mitte gehen, drückt sich das fertige Geflecht durch das Loch in der Mitte.

Die Muster-Vorlagen nehmen die Zahlen auf und zeigen anhand von Pfeilen wie gearbeitet wird.
Hier der Anfang eines Musters, mit Farbverteilung:

Marudai: Vorbereitung

Vor dem Flechten müssen die Fäden bzw Fadenstränge zwischen zwei Schärklammern abgemessen werden. Jeder der Stränge wird auf eine Spule ("Tama") aufgewickelt und alle Stränge in der Mitte zusammen gebunden. Die Mitte steckt man von oben in das Loch des Spiegels und hängt daran ein Säckchen mit Gewichten, ca der Hälfte des Gesamtgewichts der Tama rundum. Dann werden die Stränge entsprechend der Anleitung um den Spiegel des Marudai verteilt.
Sehr gut und mit vielen deutlichen Fotos ist das in dem Buch von Jacqui Carey beschrieben. Es gibt dazu auch eine Deutsche Fassung, ohne Abbildungen, die mit der englischen zusammen benutzt werden kann:

 

In den Picasa-Alben von Makiko Tada (s. Linkliste rechts) finden sich Fotosequenzen zum Arbeiten mit dem Marudai.

Kumihimo - was ist das

Eigentlich bedeutet Kumihimo: "Fäden zusammenfassen". Übersetzt wird es meist mit "flechten". Kumihimo bezeichnet eine Reihe von Flechttechniken auf unterschiedlichen Arbeitsgeräten. Hier zunächst ein kurzer Überblick über die bekanntesten Techniken.

Am bekanntesten ist der Marudai (der "runde Stuhl"):

Marudai

Man sieht auf diesem Foto den Marudai, den Flechtstuhl mit der runden Platte ("Spiegel" genannt). Was wie dickere Schnüre aussieht und an den Seiten herunter hängt, sind in Wirklichkeit jeweils 42 feine Seidenfäden. Die Holzspulen ("Tama") sind mit einem Stahl- oder Bleikern beschwert. In dem Säckchen, das in der Mitte an der geflochtenen Kordel herunter hängt, ist das Gegengewicht, mit dem das Geflecht in Balance gehalten und die Festigkeit eingestellt wird.
Geflochten wird mit beiden Händen, mit Bewegung und Gegenbewegung.

Auf dem Marudai werden vor allem runde Kordeln geflochten. Es  gibt ein anderes Gerät, den Takadai (der "hohe Stuhl"), mit dem man flache Bänder in einer Art Webtechnik macht.

Takadai

Das Grundprinzip ist auf dem Foto zu erkennen: Es gibt keine ausgesprochenen Kett- oder Schußfäden wie bei unseren Webstühlen, sondern alle Fäden sind abwechselnd Kette oder Schuß. Man geht in einen entsprechenden Rhytmus mit der Hand zwischen den Fäden hindurch und öffnet damit ein "Fach", steckt das "Schwert" hinein, das das Fach offen hält, zieht eine Spule hindurch und legt sie auf die andere Seite. Danach wird der Faden mit dem Schwert angeschlagen, also das Gewebe gefestigt, und man arbeitet gegengleich auf der anderen Seite.
So sieht der "Flechtpunkt" am Takadai aus:

Es gibt weitere Geräte, wie den Kakudai, Ayatakedai, Karakumidai, die jeweils für bestimmte Arten von Geflechten konstruiert wurden.